„Mit leerem Kopf nickt es sich leichter.“

Zarko Petau

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Erst denken, dann reden

Wer mich kennt, der weiß, dass ich eine gerne Open-Source-Software einsetze, egal ob im Webdesign oder beim Thema Business Intelligence. Schließlich ist entsprechende Software oft ziemlich ausgereift, weit verbreitet und hat eine große aktive Community im Hintergrund. Natürlich ist Open Source weder kostenlos noch das Allheilmittel und es gibt viele Szenarien, in denen aus nachvollziehbaren Gründen nur kommerzielle Lösungen in Frage kommen. Pauschal aber gegen Open Source zu schießen kann ich nicht verstehen und für die Entgleisung von Serguei Beloussov, seineszeichen CEOs der Firma Parallels, habe ich absolut kein Verständnis!

Wenn Herr Beloussov mit seiner Ausage “Open Source ist ein riesiger Haufen Scheiße!” Aufsehen erregen wollte, dann hat er dies mit seinem Interview bei t3n geschafft. Es ist ja durchaus verständlich, dass er als CEO der Software-Firme Parallels davon lebt, dass Anwender kostenpflichtig Lizenzen kaufen. Allerdings gibt es auch immer wieder diejenigen Anwender, die nicht das Geld haben in kommerzielle Produkte zu investieren, z.B. in die freie Virtualisierungs-Lösung VirtualBox.

Wenn Herr Beloussov behauptet, dass bei der Weiterentwicklung nicht das programmiert wird “was die Anwender wollen oder was aus technischer Sicht den meisten Sinn macht”, sondern die “Vorlieben und Aversionen der jeweiligen Projektleiter” erfüllt werden, so lässt sich das Ganze auch umkehren. Wie kann er behaupten, dass seine Firma weiß was die Anwender brauchen und wollen?! Vielmehr ist es meiner Meinung nach so, dass gerade bei Open-Source-Projekten Trends und neue Ideen viel schneller einfließen, als dass bei kommerziellen Produkten der Fall ist, die viel träger reagieren. Während in der Community von Vielen über neue Features diskutiert wird, entscheiden doch in einer Software-Schmiede wenige Einzelpersonen in welche Richtung die Entwicklung geht. Und dann kommt das raus was man bei Microsoft Office sehen kann: Die meisten Benutzer nutzen nur einen Bruchteil der Funktionen, die Ihnen die Office-Suite theoretisch bietet.

Und wenn er dann noch meint, dass “eine hoch qualitative, schnelle und perfekt koordinierte Projektsteuerung (…) in reinen Open-Source-Projekten einfach nicht möglich” sei, dann sage ich ihm: Ja, und? Nicht jeder braucht diesen Perfektionismus und irgendwo liegt der Charme an Open Source ja vielfach auch daran, dass ganz unterschiedliche Menschen überall auf der Welt in gewisser Weise “chaotisch” ein Produkt weiterentwickeln und das Ganze auch funktioniert. Und wenn man dann noch sieht wie viele Unternehmen mittlerweile das Lizenzmodell “Commercial Open Source” verinnerlicht haben und damit ihr Geld verdienen, kann das Ganze ja auch nicht verkehrt sein. Überhaupt lässt sich seine Aussage ja nicht pauschaulisieren, denn in welchem Produkt gibt es mehr Fehler und Bugs? In einem Windows, das mit einer qualitativen, schnellen und perfekt koordinierten Projektsteuerung entwickelt wurde, oder in diversen Linux-Derivaten, bei denen dies nicht der Fall war?

Auch seine Relativierung nach heftigen Reaktionen im Netz lässt mein Kopfschütteln über solch provokante Aussagen nicht abklingen. Das Sprichwort “Reden ist Silber, Schweigen ist Gold” wäre an dieser Stelle durchaus angebracht gewesen. Oder wie es Dieter Nuhr so schön sagt: “Einfach mal Fresse halten”.

Und noch etwas hat Herr Beloussov geschafft: Sollte ich wirklich mal auf die Idee kommen eine Virtualisierungs-Software für mein MacBook zu benötigen, dann kommt diese mit Sicherheit aus dem Haus VMWare. Bisher lagen die konkurrierenden Produkte für mich persönich immer gleich auf – jetzt habe ich ein “weiches” Kriterium, dass mir diese Entscheidung, so sie denn mal akut wird, leicht macht.

Trotz allem: jetzt erst einmal noch schöne (Rest-)Oster-Feiertage!

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